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31.07.2026 8 Min Lesezeit

Google Ads KI-Kennzeichnung: Was KMU jetzt einstellen müssen

Google zeigt seit Juli 2026, ob eine Anzeige mit KI erstellt wurde. Wer Drittanbieter-Tools nutzt, muss die Kennzeichnung selbst setzen — ab 2. August greift der EU AI Act mit Bußgeldern bis 15 Mio. Euro.

Was sich seit dem 9. Juli 2026 geändert hat

Google hat am 9. Juli 2026 eine neue Transparenzfunktion in Google Ads eingeführt: das KI-Disclosure-Label. In einem neuen Bereich „So wurde diese Anzeige erstellt" sehen Nutzer in der Google-Suche, auf YouTube und in Discover, ob eine Anzeige mit künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet wurde.

Das Label erscheint in My Ad Center — dem Kontrollzentrum, über das Nutzer bereits seit 2022 Informationen zu einzelnen Anzeigen abrufen können. In der EU wird die Kennzeichnung laut Google Ads Policy Update (Juli 2026) zusätzlich direkt an der Anzeige selbst sichtbar.

Die Änderung betrifft fünf Plattformen gleichzeitig: Google Ads, Display & Video 360, Campaign Manager 360, Merchant Center und den Ads Editor.

Info

Das Rollout startete am 9. Juli 2026 global und wird bis Ende Juli auf alle Konten ausgeweitet. Stichtag für die gesetzliche Pflicht nach EU AI Act Art. 50 ist der 2. August 2026 — also nur wenige Tage entfernt.

Zwei-Stufen-System: Automatisch vs. Selbstdeklaration

Google unterscheidet klar zwischen hauseigenen und externen KI-Tools:

Googles eigene KI-Tools — Wer Anzeigen mit den eingebauten Generative-AI-Funktionen erstellt (z. B. automatisch generierte Headlines in Performance Max oder AI Max), bekommt die Kennzeichnung automatisch. Kein Handlungsbedarf.

Drittanbieter-Tools — Wer Bilder mit Midjourney, Adobe Firefly, DALL-E oder Videos mit Runway erstellt und in Google Ads hochlädt, muss die Kennzeichnung manuell setzen. Google hat dafür ein neues Kontrollfeld im Kampagnen-Editor eingebaut.

Das Problem: Google prüft nicht, ob Werbetreibende die Checkbox ehrlich ausfüllen. Es ist ein Ehrensystem — aber eines mit rechtlichen Konsequenzen.

✓ Tun

  • KI-Checkbox aktivieren, wenn Sie Bilder/Videos mit externen Tools erstellt haben
  • Interne Prozesse dokumentieren, welche Assets KI-generiert sind

✗ Lassen

  • Checkbox ignorieren und hoffen, dass niemand prüft
  • Pauschal alles als „nicht KI" deklarieren

Warum KMU das nicht ignorieren können

Für einen Malerbetrieb oder eine Zahnarztpraxis mag die Regel abstrakt klingen. Aber die Realität sieht so aus: Immer mehr KMU nutzen KI-Bildgeneratoren für ihre Google Ads. Ein Handwerker lässt sich mit Midjourney ein Vorher-Nachher-Bild generieren. Eine Praxis erstellt mit Canva AI ein Anzeigenbild. Ein Steuerberater lässt ChatGPT seine Anzeigentexte schreiben.

All das fällt unter die neue Kennzeichnungspflicht — zumindest bei Bildern und Videos. Bei reinen Texten gilt die Pflicht aktuell nur in bestimmten Märkten, aber die EU-Regelung macht keinen Unterschied zwischen Text und Bild.

Die Strafen nach dem EU AI Act Art. 50 sind empfindlich: Bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes — je nachdem, welcher Betrag höher ist. Für KMU realistischer: Die nationalen Aufsichtsbehörden werden voraussichtlich mit Verwarnungen und abgestuften Bußgeldern arbeiten. Aber das Risiko besteht ab dem 2. August 2026.

Schritt-für-Schritt: So setzen Sie die Kennzeichnung

Die Umsetzung ist technisch einfach — wenn man weiß, wo:

1. Google Ads Konto öffnen → Kampagne auswählen → Anzeigengruppe → Anzeige bearbeiten 2. Im Bereich „Anzeigendetails" finden Sie seit Juli 2026 ein neues Feld: „KI-generierte Inhalte" 3. Setzen Sie den Haken bei „Diese Anzeige enthält KI-generierte oder KI-bearbeitete Inhalte" 4. Wählen Sie aus, welche Bestandteile betroffen sind: Bild, Video, Audio oder Text 5. Speichern. Die Kennzeichnung wird automatisch in My Ad Center angezeigt.

Für Kampagnen mit vielen Anzeigen empfiehlt sich der Ads Editor: Dort können Sie die Kennzeichnung per Massenbearbeitung auf alle relevanten Anzeigen gleichzeitig anwenden.

Prüfliste KI-Kennzeichnung

  • ✓ Alle aktiven Anzeigen auf KI-generierte Bilder/Videos prüfen
  • ✓ Kennzeichnung im Google Ads Editor per Bulk setzen
  • ✓ Interne Liste führen: welche Assets mit welchem Tool erstellt
  • ✓ Prozess für neue Anzeigen festlegen (Checkbox-Routine)
  • ✓ Bestehende PMax-Kampagnen kontrollieren — Google setzt dort automatisch

Was bei Performance Max und AI Max passiert

Bei Performance Max und AI Max Kampagnen greift die automatische Kennzeichnung. Wenn Google selbst Headlines, Descriptions oder Bildvarianten generiert, wird das Label ohne Ihr Zutun gesetzt.

Aber Vorsicht bei gemischten Assets: Wenn Sie in einer PMax-Kampagne eigene Bilder hochladen, die Sie mit einem externen KI-Tool erstellt haben, erkennt Google das nicht automatisch. Sie müssen die Kennzeichnung für diese spezifischen Assets manuell setzen.

Das ist die häufigste Falle für KMU: Die Annahme, dass Performance Max „alles automatisch regelt". Das stimmt nur für die von Google generierten Bestandteile — nicht für Ihre eigenen Uploads.

Info

Laut Google werden in der EU Anzeigen mit KI-Kennzeichnung zusätzlich mit einem sichtbaren Label direkt in den Suchergebnissen markiert. Das betrifft auch Shopping-Anzeigen im Merchant Center, wenn Produktbilder KI-generiert sind.

Die rechtliche Seite: EU AI Act Art. 50

Der EU AI Act unterscheidet zwischen verschiedenen Risikostufen für KI-Systeme. Werbeanzeigen fallen unter die Transparenzpflichten nach Artikel 50, die am 2. August 2026 durchsetzbar werden.

Konkret verlangt Art. 50:

  • Chatbots müssen als KI erkennbar sein
  • KI-generierte Inhalte (Text, Bild, Video, Audio) müssen als solche gekennzeichnet werden
  • Deepfakes erfordern eine besonders deutliche Kennzeichnung

Für Werbetreibende bedeutet das: Jede Anzeige, die KI-generierte Elemente enthält, muss kennzeichenbar sein. Google stellt mit dem neuen Label-System die technische Infrastruktur bereit. Die rechtliche Verantwortung liegt aber beim Werbetreibenden — nicht bei Google.

Das hat Google in seinen aktualisierten Nutzungsbedingungen vom 1. Juli 2026 explizit festgehalten: Die Haftung für korrekte Kennzeichnung trägt ausschließlich der Kontoinhaber.

✓ Tun

  • Jetzt alle Assets durchgehen und kennzeichnen, bevor der 2. August greift
  • Mitarbeiter briefen, die Anzeigen erstellen

✗ Lassen

  • Auf Kulanzfrist hoffen — der EU AI Act kennt keine
  • KI-Tools heimlich nutzen und die Checkbox leer lassen

Was das für Ihre Agentur oder Ihren Freelancer bedeutet

Wenn eine Agentur oder ein Freelancer Ihre Google Ads betreut, liegt die Kennzeichnungspflicht trotzdem bei Ihnen als Kontoinhaber. Klären Sie deshalb:

  • Nutzt Ihre Agentur KI-Tools für Bild- oder Texterstellung?
  • Werden diese Assets korrekt gekennzeichnet?
  • Gibt es eine schriftliche Vereinbarung, wer für die Kennzeichnung verantwortlich ist?

In der Praxis sollte die Agentur die Kennzeichnung setzen — aber vertraglich haften Sie. Ein kurzer Absatz in Ihrem Agenturvertrag kann das regeln.

Für KMU ohne Agentur gilt: Wenn Sie selbst mit ChatGPT Anzeigentexte schreiben oder mit Canva AI Bilder erstellen, sind Sie direkt verantwortlich. Die gute Nachricht: Der Aufwand ist minimal — ein Häkchen pro Anzeige.

Fazit: Kleiner Aufwand, großes Risiko bei Unterlassung

Die KI-Kennzeichnung in Google Ads ist kein bürokratisches Monster. Ein Häkchen pro Anzeige, eine Checkbox im Editor. Der Aufwand liegt unter fünf Minuten pro Kampagne.

Das Risiko bei Nicht-Kennzeichnung ist dagegen real: Ab dem 2. August 2026 sind die EU-Transparenzpflichten durchsetzbar. Wer KI-generierte Werbung ohne Label schaltet, verstößt gegen geltendes Recht.

Für KMU heißt das konkret: Diese Woche alle aktiven Anzeigen prüfen, die Checkbox setzen wo nötig, und einen Prozess für neue Anzeigen festlegen. Dann ist das Thema erledigt.

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