Was ab dem 12. Oktober passiert
Google rollt eine neue Funktion aus: Automated Promotion Assets. Das System durchsucht die Website eines Werbetreibenden nach Rabatten, Gutscheinen und zeitlich begrenzten Aktionen. Findet es etwas, erstellt es automatisch ein Angebots-Asset und haengt es an die laufende Kampagne.
Das betrifft alle Such- und Performance-Max-Kampagnen, die Standort-Assets verwenden und bisher keine manuellen Angebots-Assets hinterlegt haben. Die Funktion ist standardmaessig aktiviert — Google holt keine Zustimmung ein.
Laut Google Ads Help erkennt das System Rabatte, Prozentangaben, Gutscheincodes und saisonale Aktionen. Die Anzeige wird dann um eine zusaetzliche Zeile mit dem Angebot erweitert — sichtbar fuer jeden, der die Anzeige ausgespielt bekommt.
Info
Die Funktion gilt nur fuer Kampagnen mit verknuepften Standort-Assets. Wer bereits manuell erstellte Angebots-Assets nutzt, ist von der Automatisierung ausgenommen.
Warum das fuer KMU problematisch ist
Die Idee klingt erst einmal nuetzlich: Angebote werden automatisch beworben, ohne dass jemand im Ads-Konto Hand anlegen muss. In der Praxis birgt das fuer kleine Unternehmen drei konkrete Risiken.
1. Abgelaufene Aktionen werden beworben. Viele KMU-Websites zeigen Rabatte, die laengst vorbei sind — ein alter Banner, ein vergessener Gutscheincode im Footer, ein Weihnachtsangebot vom letzten Jahr. Google erkennt den Text, nicht das Ablaufdatum. Die Folge: In der Anzeige steht ein Versprechen, das die Website nicht mehr einloest.
2. Interne Preise landen in der Anzeige. Manche Websites zeigen Rabatte nur fuer bestimmte Kundengruppen — Bestandskunden, Mitglieder, B2B-Partner. Wenn Google diese Angaben findet und in eine oeffentliche Suchanzeige zieht, sehen alle Nutzer Preise, die nicht fuer sie gelten.
3. Kontrollverlust ueber die Markenbotschaft. Ein Handwerksbetrieb, der mit Qualitaet statt Preis wirbt, hat ploetzlich einen „15 % Rabatt"-Hinweis in seiner Anzeige. Das passt weder zur Positionierung noch zur Erwartung der Kunden.
✓ Tun
- Website auf Rabatt-Texte pruefen
- Alte Aktionen entfernen oder mit Ablaufdatum versehen
- Manuelle Angebots-Assets hinterlegen
✗ Lassen
- Funktion ignorieren und hoffen
- Abgelaufene Banner stehen lassen
- Interne Rabatte oeffentlich zugaenglich machen
Das rechtliche Problem: Preisangabenverordnung
Fuer Haendler in Deutschland kommt ein juristisches Risiko hinzu. Nach § 11 der Preisangabenverordnung (PAngV) muss bei jeder oeffentlichen Preisermaessigung fuer Waren gegenueber Verbrauchern der niedrigste Gesamtpreis der letzten 30 Tage angegeben werden — der sogenannte Referenzpreis.
Wenn Google einen Rabatt automatisch in die Anzeige zieht, fehlt dieser Referenzpreis. Die Anzeige zeigt dann eine Preisermaessigung ohne die gesetzlich vorgeschriebene Angabe. Das kann einen Verstoss gegen die PAngV und gegen § 5 UWG (Irrefuehrungsverbot) darstellen.
Konkret: Ein Online-Shop zeigt auf der Produktseite „Jetzt 20 % reduziert" mit korrektem Streichpreis und 30-Tage-Bestpreis. Google liest den Rabatt, uebernimmt aber nur den Prozentsatz in die Anzeige — ohne Streichpreis, ohne Bestpreis. Die Anzeige ist damit potenziell abmahnfaehig, obwohl die Website selbst korrekt ist.
Info
Die PAngV-Pflicht zum 30-Tage-Bestpreis gilt seit Mai 2022 fuer alle Preisermaessigungen bei Waren gegenueber Verbrauchern. Dienstleistungen sind ausgenommen — aber das Irrefuehrungsverbot nach § 5 UWG gilt auch dort.
So deaktivieren Sie die Funktion
Wer die automatischen Angebots-Assets nicht will, muss sie aktiv abschalten. Die Einstellung gilt fuer das gesamte Konto — eine Steuerung pro Kampagne ist derzeit nicht moeglich.
Schritt-fuer-Schritt-Anleitung:
1. Oeffnen Sie Google Ads und gehen Sie zu Kampagnen > Assets 2. Klicken Sie auf das Drei-Punkte-Menue und waehlen Sie Automatische Assets auf Kontoebene 3. Klicken Sie erneut auf das Drei-Punkte-Menue und dann auf Erweiterte Einstellungen 4. Suchen Sie den Punkt Automatische Angebote (Automated Promotions) 5. Stellen Sie auf Aus
Die Aenderung greift sofort. Bestehende automatisch erstellte Assets werden entfernt.
Vor dem 12. Oktober pruefen
- ✓ Standort-Assets in Kampagnen aktiv?
- ✓ Alte Rabatt-Texte auf der Website?
- ✓ Manuelle Angebots-Assets vorhanden?
- ✓ PAngV-konforme Preisauszeichnung?
- ✓ Deaktivierung noetig?
Wann die Funktion sinnvoll sein kann
Trotz der Risiken gibt es Szenarien, in denen automatische Angebots-Assets einen echten Vorteil bringen. Voraussetzung: Die Website ist sauber gepflegt.
Fuer wen es funktioniert:
- E-Commerce mit aktuellen Aktionsseiten: Wer einen Shop betreibt, in dem Rabatte korrekt mit Laufzeit und Streichpreis hinterlegt sind, profitiert von der automatischen Uebernahme. Die Anzeige wird relevanter, die Klickrate steigt.
- Saisonale Dienstleister: Ein Umzugsunternehmen mit einem aktuellen Fruehbucher-Rabatt bekommt diesen automatisch in die Anzeige — ohne manuellen Aufwand.
- Betriebe mit wenig Ads-Erfahrung: Wer keine eigenen Angebots-Assets erstellt, bekommt durch die Automatisierung ein Feature, das sonst nur Agenturen oder erfahrene Werbetreibende nutzen.
Fuer wen es nicht funktioniert:
- Websites mit veralteten Inhalten oder Rabatt-Relikten
- Betriebe, die bewusst nicht ueber Preis werben wollen
- Shops ohne PAngV-konforme Preisauszeichnung
Was KMU jetzt konkret tun sollten
Drei Massnahmen bis zum 12. Oktober — unabhaengig davon, ob Sie die Funktion nutzen oder nicht:
1. Website-Audit fuer Rabatt-Texte. Durchsuchen Sie alle Seiten nach Begriffen wie „Rabatt", „% reduziert", „Gutschein", „Aktion", „Sonderpreis". Pruefen Sie, ob jede Angabe aktuell und korrekt ist. Entfernen Sie abgelaufene Aktionen.
2. Entscheidung treffen: Nutzen oder abschalten. Wenn Ihre Rabatte aktuell und rechtlich sauber sind, kann die Funktion Klickraten verbessern. Wenn nicht, schalten Sie sie ab — lieber zu frueh als zu spaet.
3. Manuelle Angebots-Assets hinterlegen. Der eleganteste Weg: Erstellen Sie eigene Angebots-Assets in Google Ads. Damit behalten Sie die volle Kontrolle ueber Text, Laufzeit und Darstellung — und die Automatisierung greift gar nicht erst.
✓ Tun
- Website auf Rabatt-Begriffe durchsuchen
- Abgelaufene Aktionen sofort entfernen
- Manuelle Angebots-Assets mit Laufzeit erstellen
- PAngV-Konformitaet der Preise pruefen
✗ Lassen
- Funktion blind laufen lassen
- Alte Saisonaktionen stehen lassen
- Auf Google vertrauen bei Rechtskonformitaet
- Keine Deadline setzen
Einordnung: Mehr Kontrolle abgeben oder mehr Kontrolle nehmen
Die automatischen Angebots-Assets reihen sich in Googles Strategie ein, immer mehr Kampagnen-Elemente zu automatisieren. Nach automatischen Assets fuer Sitelinks, Callouts und strukturierte Snippets kommt jetzt die Preiskommunikation dran.
Fuer KMU heisst das: Der Trend geht klar in Richtung weniger manuelle Steuerung. Wer trotzdem die Kontrolle behalten will, muss aktiv handeln — durch eigene Assets, saubere Website-Inhalte und regelmaessige Kontoprüfungen.
Die Frist ist klar: 12. Oktober 2026. Danach laeuft die Automatisierung — ob Sie bereit sind oder nicht.
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